Traumhaftes Bergwetter fordert die Bergretter

Das derzeit traumhafte Herbstwetter im Alpenraum lockt viele Bergwanderer nochmals in die heimischen Berge. Einige wollen nochmals die zahlreichen Klettersteige begehen, andere nur die wunderbare Herbstsonne hoch oben am Gipfel geniessen - einige Unvorsichtige bedenken aber nicht, dass an manchen Stellen der vor wenigen Wochen gefallene Schnee aufgrund der Temperaturen nicht mehr wegtaut und begeben sich somit in höchste Gefahr.

Am Samstag gegen 12 Uhr mussten die Bergwachtmänner zum ersten Einsatz am Grünstein-Klettersteig ausrücken. Wegen Kreislaufproblemen und teilweiser Bewusstlosigkeit musste eine 31-jährige Frau aus Leonberg unterhalb der Hängebrücke gerettet werden. Ein zufällig am Einstieg anwesender Bergwachtmann stieg sofort zu der Patientin auf und leistete Erste Hilfe. In der Zwischenzeit wurde mit dem Rettungshubschrauber "Christoph 14" auch ein Bergwacht-Luftretter zur Unfallstelle geflogen. Der Luftretter hängte die Patientin zu sich ans Tau und beide wurden vom Hubschrauber zu einem Zwischenlandeplatz gebracht. Dort wurde die Frau durch den Notarzt des Rettungshubschraubers weiter medizinisch versorgt und anschließend zur Kreisklinik Berchtesgaden geflogen.

Gegen 16 Uhr kam der nächste Alarm. Zwei junge Männer im Alter von 24 Jahren waren zum Königsbachwasserfall gewandert. Dort stiegen sie dem Wasserfall folgend aufwärts und kamen in unwegsames Gelände. Als ein Weiterkommen nicht mehr möglich war, setzten sie mit dem Handy einen Notruf bei der Integrierten Leitstelle Traunstein ab, die wiederum die Bergwacht alarmierte. Der genaue Einsatzort konnte per Telefon nicht ermittelt werden, so dass drei Mannschaften mit je zwei Mann verschiedene Bereiche absuchen mussten. Die erste Mannschaft fuhr mit dem angeforderten Wasserwachtboot zum Königsbachwasserfall, die zweite Mannschaft stieg am den Rabenwandsteig auf und die dritte Mannschaft seilte sich vom Hochbahnweg von oben nach unten ab. Es dauerte aber nicht lange bis die beiden Männer ausfindig gemacht wurden. Am Seil gesichert wurden sie zum Hochbahnweg gebracht und weiter mit dem Rettungsfahrzeug zurück nach Königssee.

Dieser Einsatz war noch nicht abgeschlossen, als die Leistelle um 17.39 Uhr erneut alarmierte: Vier Personen aus Tschechien, davon zwei Frauen, waren auf der Route 452 unterwegs. Das ist der Weg vom Kehlstein über den Mannlgrat zum Hohen Göll. Vermutlich haben sie die anwachsenden Schwierigkeiten mit der zunehmenden Schneehöhe unterschätzt und somit auch die benötigte Zeit. Als sie sich zur Umkehr entschlossen, war es bereits später Nachmittag und sie erkannten, dass sie das Kehlsteinhaus bei Tageslicht nicht mehr erreichen konnten. Sie baten deshalb um Hilfe über die Notrufnummer bei der Polizei. Trotz sprachlicher Verständigungsprobleme konnten ihre Route und ihr Standort lokalisiert werden.

Nach Rücksprache mit der Leitstelle, war der Traunsteiner Rettungshubschrauber trotz bereits hereinbrechender Dämmerung noch bereit, zwei Bergwachtmänner an den Einsatzort zu fliegen. Durch die perfekte Zusammenarbeit und die fliegerische Leistung des Piloten war es trotz Dunkelheit noch möglich, die beiden Retter in der Nähe des so genannten Rauchfangs bei den vier Tschechen abzusetzen. In zwei weiteren Flügen konnten dann noch alle Personen wohlbehalten ausgeflogen werden und auf dem mit einem Fahrzeug ausgeleuchteten Kehlsteinparkplatz abgesetzt werden. Von dort wurden dann alle mit einem Bergwachtfahrzeug ins Tal gefahren.

Zu einem weiteren Einsatz kam es am Sonntag gegen 13 Uhr. Beim Abstieg auf dem Fußweg vom Kehlsteinparkplatz in Richtung Ofnerboden rutschte ein 44-jähriger Mann aus Lüdinghausen auf einer vereisten Stelle aus und verletzte sich am Sprunggelenk. Nach der Erstversorgung wurde der Verletzte mit dem Rettungsfahrzeug zur Kreisklinik Berchtesgaden gefahren, wo er weiter versorgt wurde.

Bereits während dieses Einsatzes kam gegen 13.50 Uhr vom Hohen Brett, am so genannten Almhäusl-Steig, die Meldung, das sich eine Frau ebenfalls am Sprunggelenk verletzt hat und gerettet werden musst. Der angeforderte Traunsteiner Rettungshubschrauber flog mit einem Flugretter am Rettungstau zum Einsatzort. Dieser versorgte die 48-jährige Reichenhallerin und flog mit ihr zu einem Zwischenlandeplatz. Dort wurde die Patientin in den Hubschrauber eingeladen und zum Bergwacht-Landeplatz gebracht. Der Bergwachtmann verließ dort den Hubschrauber, während die Patientin weiter zur Kreisklinik Bad Reichenhall geflogen wurde.

Ein weiterer Notruf ging bei der Bergwacht gegen 16 Uhr ein. Eine einheimische Frau war am Rauhen Kopf vom Steig abgekommen und dabei in Bergnot geraten. Aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit war Eile geboten, um die Verstiegene noch mit dem Hubschrauber retten zu können. Wegen der bereits hereinbrechenden Dunkelheit konnte die Frau vom Hubschrauber aus nicht gesichtet werden. Erst durch Einweisung mittels Handy und gleichzeitiger Übermittlung per Funk an den Piloten, konnte die Frau den Hubschrauber zu sich dirigieren und somit gesichtet werden. Nun musste es schnell gehen: Rettungstau einhängen und mit dem Luftretter ab in die Wand. Gesichert im Rettungssitz konnte die Verstiegene zum Zwischenlandeplatz in der Maria Gern geflogen werden.

Der Einsatzleiter war noch dabei seinen Einsatzbericht zu schreiben, als gegen 18.30 Uhr noch eine Vermisstensuche von der Polizei über die Leitstelle einging. Bevor jedoch die Suchmannschaft ausrückte, wurde der suizidgefährdete Junge von einem Einheimischen aufgefunden.

Bericht: Bergwachtbereitschaft Berchtesgaden

Eine kurze Anmerkung in eigener Sache - oder "im Leben sieht man sich immer zweimal": auch ich, der Webmaster der Homepage der ILS Traunstein, nutzte am Sonntag das traumhafte Wetter und machte in den Berchtesgadener Bergen eine  schöne Berg-Tour. Als ich am Nachmittag in St. Bartholomä ankam und auf das Schiff Richtung Königssee wartete, da treff ich zufällig meinen früheren Arbeitskollegen Robert vom Traunsteiner Rettungshubschrauber "Christoph 14". Mit seiner Familie machte auch er einen gemütlichen Sonntagsausflug und bei einem "Arbeits-Ratscher" erzählte er mir von seiner fast unglaublichen Begegnung am Königssee. Wie bereits im obigen Bericht der Bergwacht Berchtesgaden aufgeführt (Einsatz Mannlgrat), war er  als diensthabender Luftrettungsassistent mit an diesem Einsatz beteiligt und brachte die vier Tschechen sicher ins Tal. Und nur einen Tag später trifft er nun diese vier wieder - diesmal aber "sicher" im Biergarten in St. Bartholomä sitzend. Wie heisst es so schön in einem Sprichwort: "Im Leben trifft man sich immer zweimal ...!"

 

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