Watzmann, Watzmann - Schicksalsberg ...

"Groß und mächtig, schicksalsträchtig, um seinen Gipfel jagen Nebelschwaden. A Donnern schickt er oft ins Tal und dann schauderts alle auf amal. Wann er donnert, Gott behüt, der Berg, der kennt ka Einseg'n nit. Watzmann, Watzmann, Schicksalsberg, du bist so groß und i nur a Zwerg". Wer kennt sie nicht, die berühmten Zeilen von Wolfgang Ambros und Josef Prokopetz in ihrem Lied "Watzmann, Watzmann - Schicksalsberg" ...?  Als am letzten Montag der letzte Einsatz für die Bergwachtmänner der Bereitschaft Ramsau zu Ende ging, war dies für Rudi Fendt, Bereitschaftsleiter der Ramsauer Bergwachtler, Grund genug, einen kritsch-humorvollen Beitrag im "Berchtesgadener Anzeiger" zu veröffentlichen, den wir hier gerne wiedergeben ...



Bericht im  "Berchtesgadener Anzeiger" - Verfasser: Rudi Fendt, Bergwacht Ramsau:
Viele ruft er wieder in diesen Tagen, der gute alte Watzmann. Ein wunderschöner Berg ist er, seine Besteigung weckt die Begehrlichkeit bis weit hinaus ins Land. Vielen ist die Erfüllung dieses Wunsch vergönnt, sie besteigen, »schaffen« oder »machen« ihn - obwohl es ihn ja eigentlich schon seit Hunderttausenden von Jahren gibt. Es sei den Bergsteigern vergönnt, nur: Sie sollten ihn mehr respektieren, den großen Mächtigen. Meist ist er ja gnädig mit den kleinen Menschlein, doch unterschätzen darf man ihn nicht. Kuriose Geschichten erlebt der Berg in diesen Tagen.

Erschöpfungen und Muskelkrämpfe bei einem 49-jährigen Bergsteiger aus Ehingen an der Donau, er hat die eigenen Kräfte unterschätzt. Eine junge Dame aus dem österreichischen Hagenberg sitzt mit einer Bänderverletzung bei der Wimbachgrieshütte, es erfolgt der Abtransport mit dem Geländewagen, die Frau hat das Gelände unterschätzt. Ein bewusstloser Bergsteiger liegt beim Watzmannhaus, man fliegt ihn direkt mit dem Hubschrauber »Christopherus 6« ins Salzburger Landeskrankenhaus. Der Mann hat Höhe, Kondition und Wetter unterschätzt. Zwei vermisste Personen werden gemeldet, die nicht rechtzeitig am Kärlingerhaus ankamen, spät nächtens aber dann doch, auch sie haben Zeit und Weg unterschätzt.

Ein Drama spielte sich im Freistaat Sachsen ab, nachdem sich zwei Bergsteiger um 21.00 Uhr von der Watzmann-Überschreitung noch nicht zurückgemeldet hatten. Die besorgte daheimgebliebene Frau ruft die Bergwacht, die beruhigt und Nachforschungen anstellt. Wie vermutet, findet sie heraus, dass die beiden nach siebenstündigem Aufstieg alleine bis zum Hocheck unmöglich schon bei Einbruch der Dunkelheit zurück im Tal sein können. Können unterschätzt. Nach überstandenem Gewitter treffen sie um 22.30 Uhr im Quartier in Ramsau ein. Helle Aufregung in der Wimbachgrieshütte, deren Wirt von Angehörigen am Telefon beschimpft wird, weil er die Gesuchten doch gesehen haben müsste. Dabei waren an diesem Sonntag rund 300 Bergsteiger und Wanderer an oder in der Hütte. Benehmen überschätzt.

Gleichzeitig kommen Bergsteiger aus der Ostwand und berichten von zwei anderen, die noch am Berg im Abstieg sind und vor Erschöpfung fast nicht mehr vorwärts kommen. Erst um halb drei nachts treffen sie an der Hütte ein, da sie im Abstieg vom Goldbründl noch vom Weg abkommen, in einem Canyon landen, nicht um Hilfe rufen können und wieder aufsteigen müssen. Glücklicherweise finden sie dann den richtigen Weg - Handyverbindungsmöglichkeiten unterschätzt.

Vorgestern Montag - schlechtes Bergwetter, Nebel und Regen. Heute hat er Ruhe - oder doch nicht? Um 17.00 Uhr Notruf eines Ehepaars aus Tschechien, die beiden seien erschöpft, es sei ihnen kalt und sie müssten vom Grat zwischen Mittel- und Südspitze geholt werden. Montagsstimmung auch beim Watzmann, Nebeluntergrenze bei der Falzalm, nicht mal das Haus kann man sehen. Bergretter aus Ramsau fahren mit Motorrädern ins Gries, der Polizeihubschrauber kann eine Mannschaft bis zum Goldbrünndl fliegen, alle anderen steigen zu Fuß zur Watzmannsüdspitze auf. Zusammentreffen mit dem tschechischen Ehepaar um 20.00 Uhr.

Mittlerweile wieder Regen, der Polizeihubschrauber muss zum Tanken, hat einen Folgeeinsatz, die Besatzung müsste getauscht werden, dann ist es zu dunkel. »Christoph 14« hat Dienstschluss. Gemeinsamer knapp dreistündiger Abstieg, Abholung im Geländewagen, ab Mitternacht Ruhe am Berg. Er war wieder mal gnädig, der Watzmann.
 

Webcam Ramsau

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