Ein schönes Wochenende - und viel Arbeit für Berg- und Wasserrettung

Das schöne Wetter bedeutete für die Einsatzkräfte der Bergwachtbereitschaften Berchtesgaden und Bad Reichenhall am Wochenende viel Arbeit. Unterstützt wurden sie vom Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“, der allein am Samstag zu vier Einsätzen in Richtung Schönau und Bad Reichenhall startete. Als am Sonntag der angekündigte Wetterumschwung einsetzte, waren sämtliche Wasserrettungseinheiten am Chiemsee gefordert – Grund: trotz Starkwind- und Sturmwarnung  mussten zahlreiche Wassersportler auf dem Chiemsee aus Seenot gerettet werden.


Für eine Bergsteigerin aus Trostberg endete am Samstagnachmittag eine Bergtour im Krankenhaus: die Frau hatte sich auf dem Weg vom Staufen zum Zenokopf so schwer am rechten Sprunggelenk verletzt, dass sie notärztlich versorgt und mit dem Rettungstau ins Tal geflogen werden musste. Die Bergwachten Bad Reichenhall und Freilassing sowie der Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“ waren im Einsatz.

Als die Wanderin  in rund 1.400 Metern Höhe oberhalb des großen Geröllfelds zwischen Staufen und Zenokopf nicht mehr selbst weitergehen konnte, setzte ihre Freundin per Handy bei der Leitstelle Traunstein einen Notruf ab, die daraufhin den Einsatzleiter der Bergwacht Bad Reichenhall alarmierte. Die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ hatte gerade zuvor einen erschöpften Bergsteiger vom Grünstein-Klettersteig am Königssee zur Kreisklinik Bad Reichenhall transportiert und stand einsatzbereit am Landeplatz vor dem Krankenhaus. Der Pilot nahm dort einen Bergwacht-Luftretter auf, setzte ihn zusammen mit der Notärztin im Schwebeflug am Gipfelgrat oberhalb der Einsatzstelle ab und flog weiter nach Traunstein zum Tanken. In der Zwischenzeit stiegen die beiden Retter zur Patientin ab und kümmerten sich um die medizinische Erstversorgung.

Nach einer Zwischenlandung in der Reichenhaller Kaserne holte die Hubschrauber-Besatzung mit dem Rettungstau zunächst die Notärztin und die in einem Rettungssitz gesicherte Patientin und danach den Bergwacht-Luftretter ab und flog sie ins Tal. Die Bergwacht brachte die Verletzte danach zur weiteren Behandlung in die Kreisklinik Bad Reichenhall. Die Freundin der Verletzten stieg allein zu Fuß ins Tal ab.

Hochstaufen

"Christoph 14" am Hochstaufen (alle Hubschrauberbilder: Markus Leitner, BRK KV BGL)

Begonnen hatte die Einsatzserie am Samstag schon kurz nach 8 Uhr, als „Christoph 14“  die Männer der Bergwachtbereitschaft Berchtesgaden in Richtung Einstieg Watzmann-Ostwand flog. Dort waren mehrere Bergsteiger, die sich im Einstieg vergangen hatten, abzubergen. Da während der Aktion zeitgleich ein Notruf von der Gotzenalm einging, bei dem der Verdacht auf Herzinfarkt bestand, brach die Maschine diesen Einsatz ab und „Christoph 14“  flog direkt dorthin – die Bergeaktion an der Watzmann-Ostwand führte dann eine von der ILS Traunstein angeforderte Maschine der Bundespolizei vom Typ“ EC 155“  durch, da die Personen von der Bergwacht gesichert wurden und unverletzt waren.

Sonntag früh war dann wieder der erste Einsatz der Bergwachtbereitschaft Berchtesgaden an der Gotzenalm – eine Fußverletzung war der Einsatzgrund. Gegen Mittag war dann die Bergwachtbereitschaft Reit im Winkl gefordert – akute Kreislaufprobleme erforderten auch hier wieder den Einsatz des Traunsteiner Rettungshubschraubers.

Als dann die Starkwindwarnung des Deutschen Wetterdienstes per Fax in der ILS Traunstein ankam und die am Chiemsee befindlichen Wasserrettungsstationen über die Auslösung der Warnmeldung informiert wurden, konnte man schon erahnen: es wird vermutlich viel Arbeit geben!  Viele Wassersportler waren noch auf dem See, als die ILS Traunstein die Starkwindwarnung auslöste. Aber auch das „Blinklicht“ der Starkwindwarnung zieht viele Surfer und Kiter immer wieder magisch an – bedeutet es doch „sportlichen Wind“. Jedoch ist nicht jeder diesem Starkwind  gewachsen – und als dann wenig später die Sturmwarnung ausgelöst wurde, wurden im Minutentakt die Meldungen über zerrissene Segel, umgestürzte Boote,  Boote in Seenot und Personen im Wasser an die Einsatzkräfte gefunkt. Schlußendlich waren es lt. Polizeibericht 36 Boote und über 60 Personen, die von den Einsatzkräften gerettet werden mussten - den genauen Bericht der Polizeiinspektion Prien lesen Sie bitte hier:

Am Sonntagnachmittag gerieten die Besatzungen von 36 Booten bei Sturm auf dem Chiemsee in Seenot. Die Chiemseerettungsdienste, welche mit insgesamt 15 Rettungsbooten im Einsatz waren, hatten alle Hände voll zu tun um die havarierten Schiffe und deren Besatzungen abzubergen. Insgesamt wurden 61 Personen, welche sich z.T. auf den gekenterten Booten oder am Ufer befanden, in Sicherheit gebracht.

Vom Deutschen Wetterdienst wurde um 14.12 Uhr Starkwindwarnung und um 15.32 Uhr Sturmwarnung für den Chiemsee ausgelöst, die ersten Boote gerieten gegen 15.45 Uhr in Not.

Im Bereich der Feldwieser Bucht wurde Großalarm ausgelöst als die Eltern eines 13-Jährigen mitteilten, dass dieser auf dem See abgängig sei. Sie hatten ihren Sohn aus den Augen verloren, als die ersten heftigen Windböen einfielen. Der Junge, welcher mit einer Segeljolle unterwegs war, erreichte mit seinem Boot unversehrt den Hafen in Übersee.

Weniger Glück hatte eine 46-jährige Seglerin, als sie bei heftigem Wellengang mit ihrer linken Hand zwischen die Schiffrümpfe zweier Segelboote geriet. Hierbei wurde ein Finger so stark zertrümmert, dass ihr im Salzburger Unfallkrankenhaus ein Teil von diesem abgenommen werden musste.

Eine Segelyacht, welche schon längsseits an einem Motorrettungsboot der Wasserwacht vertäut war, versank in den Fluten des Sees. Das Boot, welches zuvor gekentert war und bei dem die zweiköpfige Besatzung von der Wasserwacht gerettet wurde, konnte nicht mehr gehalten werden, da sich der Heckbereich schon etwa einen halben Meter unter Wasser befand. Um eine Gefährdung für die Umwelt und Schifffahrt auszuschließen wird das gesunkene Schiff in den nächsten Tagen geborgen werden.

Hier von windfinder.com eine kurze Info zur Windentwicklung:

Windstatistik

Zeitgleich zu den Wasserrettungseinsätzen traf dann eine Meldung über einen abgestürzten Bergsteiger am Staufen am sogenannten "Jagersteig" bei Bad Reichenhall in der ILS Traunstein ein. Auch hier war wieder „Christoph 14“ im Einsatz – gerade noch rechtzeitig vor der eintreffenden Schlechtwetterfront , welche aber in Bad Reichenhall noch nicht erkennbar war, konnte er oberhalb der Einsatzstelle den Notarzt im Schwebeflug aussteigen lassen. Dieser stieg zum Verunfallten ab, mit dem Rettungstau wurde ein Bergwachtmann der Bergwachtbereitschaft Bad Reichenhall zur Unterstützung nach oben geflogen – allerdings konnte der Notarzt  eim Patienten nur  noch den Tod feststellen. Der mit am Einsatzort befindliche Sohn des Vorstorbenen wurde mit dem Notarzt in einer letzten Taubergung ins Tal geflogen und an das Kriseninterventionsteam der Bergwacht übergeben. Der Bergwacht-Luftretter musste sich aufgrund eines Wettersturzes mit Sturmböen und Graupelschauern selbst in Sicherheit bringen und zu Fuß über die Nordseite absteigen, wo er an der Steiner Alm mit einem Geländefahrzeug abgeholt wurde. Die für die Bergung des Verstorbenen angeforderte Maschine der Polizeihubschrauberstaffel Bayern, "Edelweiß 7", flog die Absturzstelle zwar noch mehrmals an  – eine Abbergung konnte aufgrund der starken Böen  allerdings nicht mehr durchgeführt werden. Er wurde am Montag Vormittag bei starkem Regen mit einer "Edelweiss"-Maschine der Polizei geborgen und ins Tal geflogen.

Edelweiss7

"Edelweiß 7" versuchte mehrmals, noch zur Einsatzstelle zu kommen ...

Auch die Bergwachtbereitschaft Ramsau und der Salzburger Rettungshubschrauber "Christophorus 6" waren während des starken Windes gefordert: vom Watzmann-Haus kam die Meldung:  bewußtlose Person im Watzmann-Haus. Sofort wurden die Bergwachtmänner der Bereitschaft Ramsau alarmiert, "Christoph 14" konnte aufgrund des Starkwindes  (zum Teil 40 Knoten) nicht mehr Richtung Ramsau starten - über die Rettungsleitstelle Salzburg wurde "Christophorus 6" angefordert. Da zeitgleich von einem Bürger aus Ramsau über Notruf gemeldet wurde, daß im gesamten Ramsauer Bereich kein Strom vorhanden ist, wurde der Stromversorger "EON" von der ILS Traunstein verständigt. Dort wusste man schon Bescheid: durch den Sturm ist ein Ast in die Hochspannungsleitung gefallen und hat einen Kurzschluß verursacht. Damit war nicht klar, ob der Rettungshubschrauber aus Salzburg aufgrund der Wetterverhältnisse im Einsatzgebiet überhaupt noch zum Watzmann-Haus fliegen kann. Die Mannschaft stand deshalb einsatzklar am Bergwachthaus - musste allerdings nicht mehr ausrücken, da "Christophorus 6" im Direktanflug am Watzmann-Haus landen konnte - der Patient wurde im Anschluß nach Salzburg in eine Klinik geflogen.
 

Webcam Ramsau

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