Der anhaltende Dauerregen, überflutete und unpassierbare Straßen und Wege, Murenabgänge, umgestürzte Bäume und vollgelaufene Keller führten in der Nacht zum Donnerstag (Fronleichnam) zu einem Großeinsatz der Feuerwehren in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein. Vorsorglich wurde in den Nachtstunden auch das Personal in der Leitstelle erhöht, damit die eintreffenden Notrufe und die damit verbundene Einsatzweiterleitung rasch bearbeitet werden konnten.
Berichte des Polizei-Präsisiums Oberbayern Süd und des Kreisfeuerwehrverband Taunstein (P. Volk):
Der anhaltende Regen führte zu hohen Pegelständen bei Bächen und Flüssen im gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidium Oberbayern-Süd. Von den Auswirkungen am stärksten Betroffen waren die Landkreise Berchtesgaden und Traunstein. Ein Murenabgang ist bei Bad Reichenhall, Lkr. Berchtesgadener Land, auf der Staatsstraße 2101, Höhe Thumsee gemeldet worden. Die Straße wurde daraufhin gesperrt. In Vordergern, ebenfalls Landkreis Berchtesgaden, geriet ein kleiner Hang auf mehreren Metern ins Rutschen. Ein darauf befindliche Steinmauer wurde ca. einen Meter versetzt. Feuerwehrkräfte konnten diese abstützen. Sorge bereitete der hohe Pegelstand der Salzach in Laufen, Lkr. Berchtesgadener Land. Hier wurden vorsorglich Sandsäcke befüllt.Überflutete und unpassierbare Straßen und Wege, Murenabgänge, umgestürzte Bäume und vollgelaufene Keller führten in der Nacht zum Donnerstag (Fronleichnam) zu einem Großeinsatz der Feuerwehren im Landkreis Traunstein. Mehr als 40 der 80 Feuerwehren im Landkreis wurden alarmiert und bewältigten rund 300 Einsätze, um Schutzmaßnahmen zu treffen und Schäden zu beseitigen, die durch den Dauerregen mit Niederschlagsmengen von rund 100 Litern pro Quadratmeter in nur 24 Stunden und das daraus resultierende Hochwasser an Flüssen und Bächen entstanden ist.
Die erste Alarmierung aufgrund von Hochwasserschäden gab es am Mittwoch gegen 18 Uhr für die Feuerwehr Ruhpolding, nachdem Anwohner im Ortsteil Bibelöd eine Überflutung des Steinbachs befürchteten. Von da an häuften sich die Alarmierungen von Stunde zu Stunde. Vorrangige Aufgabe der Feuerwehren war es anfangs überflutete Straßen zu sperren oder die überschwemmten Straßenstücke abzusichern. So musste unter anderem die Staatsstraße zwischen Bergen und Bernhaupten gesperrt werden und in Nußdorf stand die Kreisstraße in Richtung Traunstein rund 30 Zentimeter unter Wasser. Zu Steinschlägen kam es auf der Bundesstraße 305 zwischen Reit im Winkl und Oberwössen. Gesteinsbrocken mit einem Durchmesser von bis zu 40 Zentimetern stürzten auf die Fahrbahn. Die Feuerwehr entfernte sie. Die Bundesstraße musste dennoch für längere Zeit gesperrt werden.
Einer der Einsatzschwerpunkte war die Tunnelbaustelle der Nordostumfahrung Traunstein bei Ettendorf. Die am Nordportal des künftigen Tunnels entstandene Überflutung musste von der Feuerwehr Surberg, unterstützt vom THW Traunstein durch eine Hochleistungspumpe ausgepumpt werden. Gesperrt werden musste die Bahnstrecke zwischen Traunstein und Ruhpolding. Auf Höhe der Kneippanlage am Wochinger Spitz rutschte ein durchnässter Hang ab. Dadurch stützte ein Baum auf die Oberleitung und wurde in Brand gesteckt. Die Feuerwehren Traunstein und Haslach beseitigten den Baum und löschten den Kleinbrand, jedoch erst nachdem die Oberleitung geerdet und der Bahnverkehr eingestellt war, um eine Gefährdung der Einsatzkräfte auszuschließen. Bei Traundorf trat die Traun über die Ufer, wodurch die Gleise der Bahnlinien über- und unterspült wurden. Dort weckte die Feuerwehr in der Nacht alle Anwohner im gefährdeten Überflutungsbereich und informierte sie, dass es möglicherweise zu einer plötzlichen Evakuierung kommen könne.
Alle Hände voll zu tun hatten auch die vier Feuerwehren im Gemeindegebiet Siegsdorf. Die Wehren aus dem Hauptort sowie aus Vogling, Hammer und Eisenärzt waren mit 120 Mann im Einsatz, bewältigten nach Auskunft von Siegsdorfs 1. Kommandant Manfred Steiner rund 50 Einsätze und schlichteten 5000 Sandsäcke auf, um Gebäude vor einem Wassereinbruch zu schützen.
Gegen 1.30 Uhr erreichte die Traun am Pegel Hochberg einen Wasserstand von fast drei Metern und „kratzte“ damit an der Meldestufe 4, der höchsten Hochwasserwarnung. Zu diesem Zeitpunkt waren die Feuerwehren allerorts im Dauereinsatz. Von Waldhausen, Schnaitsee, Obing und Pittenhart im nördlichen und nordwestlichen Landkreis sowie entlang der Traun von Altenmarkt bis Traunstein und im Süden bis Inzell, Oberwössen und Schleching hatten die Feuerwehrler kaum Zeit zum Durchatmen. Sandsäcke mussten gefüllt und an gefährdeten Stellen entlang von Flüssen und Bächen als Barrieren aneinander geschlichtet werden, viele Keller waren auszupumpen und Kanal- und Gullideckel mussten eingehängt werden, die zuvor durch die Wasserflut aus der Verankerung gerissen wurden.
Nachdem der Pegel der Traun die Meldestufe 3 erreicht hatte, wurden alle Feuerwehren der Stadt Traunreut sowie das Technische Hilfswerk (THW) in Alarmbereitschaft versetzt. Im Feuerwehrgerätehaus in Traunreut wurde ein örtlicher Krisenstab eingerichtet, der alle Hochwassereinsätze innerhalb des Stadtgebietes koordinierte und regelmäßige Kontrollen entlang der Traun anordnete.
Als zur Morgendämmerung die Regenfälle nachließen, fielen die Pegel der Traun und auch die Feuerwehralarmierungen gingen rapide zurück. Währenddessen stieg jedoch das Hochwasser der Tiroler Ache. Der Pegel bei Staudach erreichte um 11 Uhr mit 548 cm die Meldestufe 3.
Kurz nach 7 Uhr wurde die Feuerwehr Schleching zu einer Rettungsaktion gerufen. Bei Raiten stand ein Pkw bis zu Fenstern im überfluteten Straßenbereich. Von einem trockenen Standpunkt aus, war nicht zu erkennen, ob sich Personen in dem Fahrzeug befinden. Eine schnelle Nachschau war den Helfern jedoch unmöglich, da sich in der Nähe des Fahrzeuges Elektroschaltkästen befanden, die verdächtig rauchten. Bevor sich die Helfer dem havarierten Pkw nähern konnten, musste der Strom abgeschaltet werden. Als es soweit war, fanden die Retter ein leeres Fahrzeug vor. Auf Nachfrage der Polizei wurde mitgeteilt, dass der Lenker zu Hause „beim Trocknen“ sitzt und unverletzt ist.
Am Donnerstagvormittag waren die Feuerwehren vor allem noch damit beschäftigt überflutete Keller leer zu pumpen. In Tittmoning wurden die Florianjünger zusammengerufen um vorsorglich Sandsäcke zu füllen, da der Scheitelpunkt des Hochwassers dort erst am Abend des Fronleichnamstags erwartet wurde