(Rettungs-)Leitstelle Traunstein – Ein Rückblick auf drei Jahrzehnte Rettungsdienstgeschichte 

Es ist das Jahr 1977 – der damalige „Rettungszweckverband“ (jetziger Zweckverband für Rettungsdienst- und Feuerwehralarmierung Traunstein – kurz ZRF) wurde gegründet

Nur drei Jahre später war es dann soweit: Am 4. Februar 1980 wurde mit einem „Funkspruch an alle“ durch den damaligen Staatssekretär des Bayerischen Innenministeriums Franz Neubauer, die Rettungsleitstelle Traunstein an der Leonrodstrasse als 19. Rettungsleitstelle in Bayern in Betrieb genommen. Kosten damals: 600.000 D-Mark! Die Rettungsleitstelle Traunstein war zusammen mit dem BRK Kreisverband Traunstein in einem Gebäude untergebracht.

Staatssekretär Neubauer bezeichnete die „moderne Einsatzzentrale“ als besonders wichtigen Schritt zur Verbesserung des Rettungswesens, weil nun „die Bundesautobahn München-Salzburg mit ihrem ungeheuren Verkehrsaufkommen und beträchtlichem Unfallgeschehen in ihrer ganzen Länge in das Netz zentraler Rettung einbezogen ist“. … Kurz zur Info: 1980 wurden in ganz Deutschland 15.050 Personen bei Verkehrsunfällen getötet  (und das, obwohl im Jahre 1976 die Gurtpflicht auf Vordersitzen eingeführt wurde!) – im Jahre 2008 waren es 4.467 Getötete, der niedrigste Stand seit 1950 …

Die ersten 8 Mitarbeiter wurden in der Zeit von 2. bis 15. November 1979 (Qualifikation war Rettungssanitäter) in München in der damaligen Übungsleitstelle in der Rablstrasse ausgebildet. Diese waren: Siegfried Tersteegen (Leitstellenleiter), Heinrich Reichl (Stellvertretender Leitstellenleiter), Johann Schallinger, Peter Reiter, Wilfried Arsan, Alfred Mock, Peter Schmelz und Matthias Eder (heute noch als einziger Disponent der allerersten Stunde tätig!). Der Probebetrieb wurde dann mit Ende des Lehrgangs am 15. November 1979 aufgenommen.

Damals waren neben der vorhandenen Technik als Betriebsunterlagen vorhanden: Auftragsformulare, Schreibmaschine, 1 Landkarte, 1 Straßenkarte und 1 Bergwacht-Karte. Einen Sozialraum gab es noch nicht (in der heutigen Zeit lt. Arbeitsstättenverordnung undenkbar!) – dafür musste der Technikraum herhalten (ein Waschbecken und ein Beistelltisch wurden beschafft). Auf 70 m² Gesamtfläche wurde mit 2 Funktischen und 2 Telefontischen die Vermittlung und Disposition durchgeführt

Bild4-Funkraum-Leonrodstrasse

Leitstelle in der Leonrodstrasse

Zum 1. März 1980 wurde dann die Vermittlung des Kassenärztlichen Dienstes (KVB) aufgeschaltet. Zu Beginn im Jahre 1980 kamen 8.950 Vermittlungen zustande; bis zum Ausstieg durch die KVB Ende des Jahres 2002 waren es 56.999 Hilfeersuchen (Rekordjahr war 2001 mit 62.079 Vermittlungen, am stärksten hier die Monate August mit 7.091 – bedingt durch die Urlauber in unserer Region und im Dezember mit 6.980 – hier natürlich durch die Weihnachtsfeiertage hervorgerufen)

Zwei weitere hauptamtliche Mitarbeiter wurden im März 1980 eingestellt, ebenso wurde die zusätzliche Anstellung von geringfügig Beschäftigen Mitarbeiter/innen für die Vermittlung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes eingeführt (durchschnittlich immer 30-35 Mitarbeiter, die diese Vermittlungstätigkeit an den Wochenenden, Mittwoch Nachmittags und an Feiertagen versahen)

Die erste große Bewährungsprobe für die noch junge Dienststelle war am 19. und 20. November 1980 der Papstbesuch von Papst Johannes Paul II in Altötting. Wer konnte damals ahnen, als er sagte: „Mit euch freue ich mich über die Gegenwart des Herrn Kardinals Joseph Ratzinger…“, daß dieser am 11. September 2006 nach Altötting als Papst Benedikt XVI. zurückkehrt – was wiederum ein Großereignis für die Leitstelle Traunstein bedeutete ... 

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Papst Benedikt XVI in Altötting am 11. September 2006

März 1982: Ein Anstieg der Einsatzzahlen von Rettungsdienst (1980: 38.678 Einsatzaufträge / 2008: 79.607 Einsatzaufträge) und KVB macht die Inbetriebnahme eines weiteren Telefontisches (also insgesamt 5 Arbeitstische) notwendig

30.03.1982 – Der Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“ stürzt in der Nähe von Altötting bei Kastl bei einem Anflug zu einem Einsatz ab. Wie durch ein Wunder überleben alle 3 Besatzungsmitglieder (das damalige Besatzungsmitglied Rettungsassistent Christian Gandler ist bis heute aktiver Mitarbeiter der Leitstelle Traunstein ...)

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"Christoph 14" - Absturz in Marktl
 
 22.03.1983 – Der schwärzeste Tag der in der Geschichte der Leitstelle Traunstein: Wieder stürzt „Christoph 14“ ab – diesmal leider mit tragischem Ausgang.

 Auf dem Rückflug von Berchtesgaden nach Traunstein (Einsatz nach einer Reanimation) gerät die Maschine in einen Schneesturm: Beim Absturz von „Christoph 14“ bei Gröben-Teisendorf, die Besatzung mit Pilot Nobert Müller, dem Rettungssanitäter Mathias Reiter und der Ärztin Dr. Elisabeth Leitner-Ploss kommen dabei ums Leben. An sie erinnert heute ein Marterl am Absturzort und in der Nähe des Haupteingangs am Krankenhaus Traunstein eine Gedenktafel.

April 1983: Durch die Eigeninitiative der Mitarbeiter kann nun endlich der lang ersehnte Sozialraum errichtet werden.

Im Jahr 1987 wird durch ein erneutes Ansteigen der Einsatzzahlen neben der Installation eines 6. Arbeitsplatzes auch die Mitarbeiterzahl erhöht 

Bild2-Funkraum-Leonrodstrasse

Disposition (vorne Funk, daneben Gesprächsannahme) in der Leonrodstrasse

Das Jahr 1991: Hervorgerufen durch die vermehrten Einsätze und Aufgaben der Rettungsleitstelle bei gleichzeitig beengten Raumverhältnissen im BRK Kreisverband Traunstein wurden größere Räumlichkeiten in der Hochstrasse 33 a angemietet. Nach Um- und Ausbau der Räume fand der Umzug im Oktober 1992 statt. Ab sofort waren 6 Arbeitsplätze für 24 Mitarbeiter auf einer Gesamtfläche von 225 m² untergebracht. Auch die elektronische Datenverarbeitung hielt nun Einzug in die Rettungsleitstelle. Mit dem Programm BAYLS wurden die Einsätze in der EDV erfasst 

Leitstelle-Hochstrasse

Leitstelle Traunstein in der Hochstrasse

15 Jahre Rettungsleitstelle Traunstein: 1995 wurde bereits über die Erweiterungen der Dienststelle nachgedacht, 1996 werden weitere 50 m² angemietet – zeitgleich wird neue Technik installiert, die Einsatzzahlen nehmen weiterhin zu. Von Oktober bis Dezember 1996 wird nun der Umbau der Leitstelle durchgeführt, der Betrieb fand in zwei Containern, die am Leitstellenparkplatz aufgebaut wurden, als „Notleitstelle“ mit herkömmlichen Telefonapparaten und Funkgeräten statt

Von Mai bis Juni 1997 wurden alle Mitarbeiter in das Einsatzleitsystem ARLIS (mit dem bis dato noch gearbeitet wird) eingewiesen, im Juni 1997 wurde mit dem Einzug in die neuen Räumlichkeiten (jetzt 270 m²) ein 7. Arbeitstisch installiert, ebenso alle anderen Tische erneuert (AVS 1280). Die Einweihung der neuen Räumlichkeiten fand dann am 1. Juli 1997 statt. Wochenlang wurden dann sämtliche Einsatzdaten in ARLIS nacherfasst und am 27. November wird das Einsatzleitsystem ARLIS mit dem Funkmeldesystem (FMS) in Betrieb genommen. Die Kosten für die technische Ausrüstung: 815.000 DM

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Funkraum mit Tisch 1 und Tisch 2

Bis zum Dezember 1999 wurde die KVB-Vermittlung immer noch in altbewährter Weise mit handgeschriebenen Auftragszetteln durchgeführt; nun endlich kann auch dies per EDV erledigt werden

Mit dem zwanzigjährigen Bestehen der Rettungsleitstelle Traunstein im Februar 2000 wuchs der Mitarbeiterstamm auf 26 Kollegen/Kolleginnen an

Das Jahr 2004 brachte zwei Neuerungen: einmal die Einführung des Gleichwellenfunks und ab November besetzte die Rettungsleitstelle das Rettungsdienstpersonal (HEMS) auf dem Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“ – seit 2009 jedoch wird das Personal wieder vom BRK Kreisverband Traunstein gestellt

Februar 2005: Eine kleine Feier zum Anlass „25 Jahre Rettungsleitstelle Traunstein“ - jetzt mittlerweile ein Arbeitsplatz für 27 Mitarbeiter aus allen 4 Landkreisen der Mitgliedslandkreise des Rettungszweckverbands

Die Umwandlung des früheren Rettungszweckverbandes Traunstein in den Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung sowie eine neue Verbandssatzung wurden in der Verbandsversammlung am 2. Dezember 2003 beschlossen. In einer Verbandsversammlung am 14. September 2006 wurde dann mehrheitlich entschieden, dass der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Traunstein die Errichtung und den Betrieb der künftigen ILS Traunstein selbst übernimmt. Beschlussmäßige Vorgabe der Versammlung am 14. Februar 2007 war schließlich, dass ein Neubau auf "grüner Wiese" zu erstellen ist

Architektenentwurf-ILS


Architektenentwurf der ILS Traunstein

Voll im Zeitplan konnte im Januar 2008 der Bauantrag zur Errichtung der Integrierten Leitstelle Traunstein bei der Großen Kreisstadt Traunstein als zuständige Genehmigungsbehörde eingereicht werden

Am 23.01.2008 begann ebenfalls voll im Zeitplan die Feuerwehralarmierungsplanung für die spätere ILS Traunstein mit der ersten Sitzung der eigens dafür gegründeten Projektgruppe. Die für die Alarmierungsplanungen zuständigen Verbandsmitglieder haben im Nachgang der Sitzung mit der einheitlichen Stammdatenerfassung als ersten Schritt der Planungen begonnen

Seit dem 03. November 2008 übernimmt nunmehr die Rettungsleitstelle Traunstein die Erstalarmierung der Feuerwehren in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein. Dies begründet sich mit der Verlagerung der Polizeieinsatzzentrale von Traunstein nach Rosenheim. Im Berchtesgadener Land werden nun insgesamt 22 Freiwillige Feuerwehren mit 10 Löschzügen und im Landkreis Traunstein 76 Freiwillige Feuerwehren, 3 Werksfeuerwehren und 2 Betriebsfeuerwehren über Funkwecker oder Sirene zu ihren Einsätzen von Traunstein aus alarmiert

 Leitstelle-Ansicht-Tisch-4-mit-BASIS-Tisch 

Tisch 4 / im Hintergrund die FFW/THW-Alarmierung über "BASIS"

1.Januar 2009: ZRF Traunstein übernimmt den Betrieb der Rettungsleitstelle Traunstein vom Bayerischen Roten Kreuz 

Leitstellenschild-Hochstrasse

Eine neue Ära - Wechsel vom BRK zum ZRF Traunstein

14. Januar 2010: Offizielle Einweihung und Inbetriebnahme (mit Beginn des Probebetriebes) der ILS Traunstein

Rohbau-Bild-18

Die ILS Traunstein im Gewerbepark Kaserne in Traunstein

14. Juni 2010: Inbetriebnahme und Umrouten der Notrufnummer 112 auf die neue ILS Traunstein

 

(Dieser Bericht wurde aus den Unterlagen der RLST Traunstein erstellt / H. Bayer)

 

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