Die "ILS" aus der Sicht des ILS-Leiters

Von Anton Groschack, Leiter der ILS Traunstein

Am 04.02.1980 wurde als 19. Rettungsleitstelle in Bayern die Rettungsleitstelle Traunstein offiziell in Betrieb genommen. Das im Jahre 1974 erlassene Bayerische Rettungsdienstgesetz schuf die finanziellen und organisatorischen Voraussetzungen dafür, dass in 26 bayerischen Rettungsdienstbereichen durch jeweils eine Rettungsleitstelle die objektive Lenkungsfunktion der wichtigen öffentlichen Aufgabe „Rettungsdienst“ vollzogen werden konnte. Dies war zur damaligen Zeit ein erheblicher Fortschritt im Bereich des Rettungsdienstes.

Im Jahr 2002 hat der Bayerische Landtag das Gesetz zur Schaffung Integrierter Leitstellen beschlossen. Dieses Gesetz regelt auf Höchstem personellen, technischen und organisatorischen Niveau die gemeinsame Nutzung der Notrufnummer 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst, sowie die flächendeckende Einführung Integrierter Leitstellen (ILS) in Bayern. Die „Integrierte Leitstelle Traunstein“ wird nach der Inbetriebnahme mit der Notrufnummer „112“ für sämtliche Hilfeersuchen in den Bereichen Rettungsdienst und Feuerwehr den Bürgerinnen und Bürgern der Landkreise Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf am Inn und Traunstein als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Der große Vorteil für die Bevölkerung liegt darin, dass für alle Notfälle der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr künftig die einheitliche Notrufnummer 112 Vorwahl- und Gebührenfrei im Fest- und Mobilnetz zur Verfügung steht. Zu den wichtigsten Aufgaben der mit staatlichen Mitteln geförderten „Integrierten Leitstelle Traunstein“ gehören:

- Entgegennahme aller Notrufe, Notfallmeldungen, sonstiger Hilfeersuchender und Informationen für Rettungsdienst und Feuerwehr im gesamten Leitstellenbereich

- Alarmierung der erforderlichen Einsatzkräfte und –mittel

- Begleitung aller Einsätze und Unterstützung der Einsatzleitung

- Außerhalb der üblichen Dienstzeiten in dringenden Fällen Funktion eines Meldekopfes für die Kreisverwaltungsbehörden als Sicherheitsbehörden

- Alarmierung örtlicher Einrichtungen der Ersten Hilfe

Dieses Gesetz und die damit gestellten neuen Aufgaben veränderten das bisherige Aufgabenfeld eines Leistellendisponenten grundlegend, war man doch bisher nur mit der Disposition des Rettungsdienstes betraut. Diese Ungewissheit löste eine Gewisse Unruhe im Kreise der Mitarbeiter aus. Verbunden mit Zukunftsängsten stellte man sich die Fragen:

- Wann kommt es bei uns in Traunstein zu einer Umsetzung des ILSG?

- Müssen wir jetzt eine Feuerwehrausbildung absolvieren usw.? Müssen wir viele Monate oder Jahre bei einer Berufsfeuerwehr die Ausbildung zum Hauptbrandmeister absolvieren?

Man muss sich vorstellen, dass es hierbei für jeden einzelnen Mitarbeiter einer Rettungsleitstelle absehbar war, dass es das derzeitige und lange Jahre ausgeübte Berufsbild eines Rettungsleitstellen-Disponenten in wenigen Jahren nicht mehr geben wird und deshalb Zukunftsängste unvermeidbar sind.

Im Jahre 2006 sollte erste Klarheit in die Angelegenheit kommen

Bis zur Einführung des ILSG waren alle Rettungsleitstellen in Bayern unter Trägerschaft des Bayerischen Roten Kreuzes. Mit Einführung des neuen Gesetzes wurde die Möglichkeit eröffnet, die Integrierte Leitstelle als Eigenbetrieb zu betreiben oder den Betrieb an Dritte zu vergeben. Dieser Passus im Gesetz löste weitere Ängste unter den Mitarbeitern aus. Es kamen Fragen auf wie:

- Was ist wenn bei uns nicht mehr das BRK zum Zuge kommt?

- Was passiert wenn die ILS in die Trägerschaft eines gewinnorientierten Unternehmens fällt?

- Muss ich wirklich nach 25jähriger Dienstzeit meinen Arbeitgeber wechseln?

Am 14.09.06 brachte eine ZRF-Verbandversammlung endlich die notwendigen Entscheidungen. Die erlösende Information wurde in der Leitstelle sehnlichst erwartet: „Die ZRF Verbandsversammlung hat entschieden, den Betrieb der künftigen ILS als Eigenbetrieb zu übernehmen. Wann ein Übergang zum neuen Arbeitgeber erfolgen soll, stand noch nicht fest. Wiederum stellten sich uns folgende Fragen:

- Werden alle Mitarbeiter vom ZRF übernommen?

- Werden wir beim neuen Arbeitgeber finanziell schlechter gestellt?

- Wann erfolgt der Übergang zum neuen Arbeitgeber?

Die Folgeentscheidungen im Februar 2007, dass ein kompletter Neubau in Traunstein vom ZRF errichtet wird sowie die Einsetzung eines hauptamtlichen Geschäftsführers beim ZRF wurden von uns mit großem Interesse verfolgt. Der damalige Leiter der Rettungsleitstelle Traunstein absolvierte bereits ab Mitte 2007 kurz aufeinanderfolgend beide Feuerwehrmodullehrgänge und war deshalb knapp 5 Monate nicht in der Dienststelle. Zum Jahresende 2007 wurde uns dann vom Leiter eröffnet, dass dieser zum Jahreswechsel die Rettungsleitstelle Traunstein verlassen wird.

Über der Entwicklung im Bereich Traunstein hin zur ILS schwebte vom Anfang an das Damoklesschwert der Auswirkungen der Polizeireform. Für die Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein wurde die BASIS-Feuerwehralarmierung von der Einsatzzentrale der Polizeidirektion Traunstein seit vielen Jahren ausgeübt. Nun war bereits 2006 klar, dass die EZ der PD Traunstein im Laufe des Jahres 2008 nach Rosenheim verlegt wird und es dann einer Lösung für die Feuerwehralarmierung der beiden Landkreise bedarf.

In Absprache mit den betroffenen Landratsämtern wurde ein Lösungsansatz nach dem Motto „aus der Not eine Tugend“ geschaffen. Warum sollte die Feuerwehralarmierung für die beiden Landkreise nicht in die bestehende Rettungsleitstelle gelegt werden. So können die künftigen ILS-Mitarbeiter vor der Inbetriebnahme der ILS bereits an die Thematik Feuerwehralarmierung herangeführt werden. Alle Beteiligten waren sich einig, dass dies eine wirtschaftliche, funktionale und zielführende Lösung für den Übergangszeitraum bis hin zur Integrierten Leitstelle Traunstein darstellt. So wurde parallel zum ILS-Aufbauprozess intensiv daran gearbeitet, die BASIS-Feuerwehralarmierung in den Räumlichkeiten der Rettungsleitstelle zu ermöglichen.

Die Feuerwehralarmierung der Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein wurde dann am 03.November 2008, damals noch unter Betreiberschaft BRK übernommen. Seit diesem Zeitpunkt übt nunmehr die Leitstelle Traunstein die reine Erstalarmierung der Feuerwehren in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein aus.

Außerdem liefen seit Mitte 2007 die Mitarbeiterqualifizierungen auf dem Sektor Feuerwehrwesen und die Planungen zum Neubau der „Integrierten Leitstelle Traunstein“ im Gewerbepark Kaserne in Traunstein. Bereits vor Übernahme zum Zweckverband wurde die Leitstellenleitung intensiv in die Planungsgespräche einbezogen und es herrschte eine sehr gute Zusammenarbeit.

Als Termin für den Betriebsübergang wurde letztendlich der 01.01.2009 festgelegt. Im Dezember 2008 wurden wir von Herrn Landrat Steinmaßl ins Landratsamt Traunstein zu einer Mitarbeiterversammlung eingeladen. Hierbei wurden wir über die weiteren Schritte zum Betriebsübergang informiert. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass alle Mitarbeiter mit einem guten Gefühl aus der Mitarbeiterversammlung gingen und einen durchaus positiven Eindruck vom neuen Arbeitgeber hatten.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei den Verantwortlichen des ZRF Traunstein sowie bei der Personalstelle des Landratsamtes Traunstein für den reibungslosen Übergang recht herzlich bedanken.

Nachdem im April die notwendigen Entscheidungen der Verbandsversammlung zu den künftigen Leitungspositionen getroffen und somit klare Verhältnisse geschaffen wurden, konnten sich nunmehr Leiter, Stellvertreter und nicht zuletzt der Systemadministrator auf die umfassenden Arbeiten zur Inbetriebnahme der ILS Traunstein stürzen. Das Gebäude befand sich zu dieser Zeit kurz vor der Fertigstellung. Die Technik wurde im August 2009 von der Firma Eurofunk Kappacher geliefert und verbaut.

Aufgrund der Festlegung zur zentralen Dateneingabe beim ZRF und zur Kompensation der zahlreichen Lehrgänge wurden Mitte 2009 vier zusätzliche Leitstellenmitarbeiter eingestellt, welche sich alle hervorragend in die Dienststelle integrierten.

Im Mai 2009 begann die Datenerfassung in das neue Einsatzdatenleitsystem „ELDIS III By“. In unzähligen Arbeitsstunden wurden sämtliche Daten der Feuerwehren, des Rettungsdienstes und des Katastrophenschutzes in unserem Zuständigkeitsbereich erfasst. Diese wichtige Aufgabe erfüllte die Leitstelle mit Leben und war Grundvoraussetzung für einen reibungslosen Betrieb in der Zukunft. Unser Systemadministrator Siegfried Fritsch leistete hierbei eine großartige Arbeit.

Anfang November beendeten die letzten Mitarbeiter das Feuerwehrmodul I. Mein Dank gilt hierbei dem Leiter der Werkfeuerwehr Werk Gendorf, welcher initiativ die Durchführung eines Modullehrgangs in Gendorf möglich gemacht hat.

Jetzt, zum Ende des Jahres 2009 können wir über einen bereits guten Datenbestand und eine abgeschlossene Feuerwehrmodul I-Ausbildung bei sämtlichen Mitarbeitern, sowie über eine nahezu abgeschlossene Alarmierungsplanung freuen. Der Beginn des Probebetriebes am 14.01.2010 sollte somit mit den bestmöglichen Voraussetzungen starten.

Mit Inbetriebnahme der Integrierten Leitstelle Traunstein kann unseren Bürgerinnen und Bürgern noch effizienter geholfen werden, da eine Zentrale Stelle die Koordination aller Einsätze der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr übernimmt. Die Einführung Integrierter Leitstellen stellt einen erneuten Quantensprung im bayerischen Rettungswesen dar.

Ein sinnvolles Zusammenspiel zwischen moderner Leistellentechnik und gut ausgebildeten Mitarbeitern macht es der Integrierten Leitstelle Traunstein jederzeit möglich, Ihrem Leitspruch „Kompetenz im Notfall“, gerecht zu werden.

Hierfür möchte ich mich im Namen meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Verbandsvorsitzenden und den Verbandsräten für den herzlichen Empfang beim neuen Arbeitgeber „Zweckverband“ bedanken. Mein Dank gilt aber auch dem Geschäftsführer des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Traunstein, Herrn Josef Gschwendner, sowie meinem Stellvertreter Herrn Gerhard Jäkel, für ihre großartige Unterstützung und die gute Zusammenarbeit. Ich möchte es nicht versäumen, mich auch bei den Vertretern der beauftragten Firmen und natürlich bei meinen Mitarbeitern der Leitstelle Traunstein zu bedanken, die immer dann, wenn es erforderlich war, auch selbst Hand mit anlegten bei der Alarmierungsplanung, bei Dienstvertretungen etc. - ohne sie alle wäre der Zeitrahmen nicht einzuhalten gewesen.

Mein besonderer Dank gilt aber nicht zuletzt den Kreisbrandinspektionen und den Feuerwehren, den Landratsämtern sowie allen Hilfsorganisationen, welche künftig mit der ILS Traunstein zusammenarbeiten werden.

groschack

Anton Groschack, Leiter der ILS Traunstein 
 

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