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Von Josef Gschwendner, Geschäftsführer des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Traunstein
Das Wort „integrieren“ (von lat. integer bzw. griech. entagros = unberührt, unversehrt, ganz) kann zu deutsch mit „der Herstellung eines Ganzen“ übersetzt werden. Unser gesetztes Ziel war also, die „Herstellung“ einer ganzen (sprich gemeinsamen) Leitstelle für sämtliche Bereiche der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr. Die hierfür notwendige gesetzliche Grundlage lieferte uns die bayerische Landesgesetzgebung mit dem Erlass des „Gesetzes zur Einführung Integrierter Leitstellen in Bayern (ILSG)“ im Jahre 2002.
Allein historische Gründe und die unterschiedliche Vorgehensweise der Besatzungsmächte nach dem Zweiten Weltkrieg sind dafür verantwortlich, dass in Bayern, anders als in vielen anderen Bundesländern, bisher eine Trennung zwischen der Feuerwehr- und Rettungsdienstalarmierung besteht. Im Bereich des Rettungsdienstes etablierten sich bereits seit 1974 die Rettungsleitstellen flächendeckend in Bayern. Die 26 Rettungsleitstellen wurden allesamt durch das Bayerische Rote Kreuz (BRK) betrieben. Dagegen blieb der Bereich der Feuerwehralarmierung auf kommunaler Ebene. Für die Landkreise des ZRF Traunstein wurden Vereinbarungen mit den Polizeidienststellen zur Übernahme der Feuerwehralarmierung geschlossen. Aufgrund der Vielzahl der beteiligten Stellen und der inhomogenen Struktur wurde die schnelle und effiziente Bearbeitung einer Notfallmeldung bis hin zur Alarmierung der Feuerwehren ungünstig beeinflusst.
Seit der Entscheidung des Rates der Europäischen Union vom 29.Juli 1991 zur Einführung einer einheitlichen Notrufnummer 112 in Europa und der damit verbundenen Verpflichtung zur Umsetzung der Regelung in nationales Recht beschäftigte sich der bayerische Landtag mit der Thematik. Im August 2001 wurde ein umfassender Abschlussbericht der Arbeitsgruppen vorgelegt, welcher die fachliche Grundlage für den vom bayerischen Innenministerium parallel erarbeiteten Gesetzesentwurf bildete.
Nach der Umwandlung des bisherigen Rettungszweckverbandes in den Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) ging der der Prozess zur Umsetzung des ILSG in Traunstein ab September 2006 in die „heiße Phase“. Nachdem am 14.09.2006 der Beschluss zum Eigenbetrieb durch den Zweckverband und zum Standort Traunstein gefasst wurde, folgte am 14.02.2007 die Festlegung, dass die ILS als Neubau auf „grüner Wiese“ verwirklicht werden soll. Gleichermaßen wurde am 14.07.2007 aufgrund der Aufgabenmehrung im Zusammenhang mit dem ILS-Projekt ein hauptamtlicher Geschäftsführer beim ZRF Traunstein bestimmt, welcher die Verbandsgeschäfte nunmehr seit 01.03.2007 führt.
Mit der Betriebsübernahme der Rettungsleitstelle zum Stichtag 01.01.2009 wurde der schrittweise Übergang hin zur ILS Traunstein möglich, der eine Reihe von Vorteilen - vor allem für die nötige Fortbildung des Leitstellenpersonals – bietet. Den Migrationsprozess hat die Rettungsleitstelle Traunstein bereits Ende 2008 mit der Übernahme der bisherigen BASIS-Feuerwehralarmierung für die Landkreise BGL und TS aktiv mitgestaltet.
Mit der Einweihung am 14. Januar 2010 beginnt der Probebetrieb der ILS Traunstein. In ein paar Monaten erfolgt der Übergang in den Echtbetrieb. In wenigen Jahren sollen dann bayernweit 26 Integrierte Leitstellen in einem vernetzten Leitstellenverbund ihren Betrieb aufnehmen. Der Zuständigkeitsbereich der Integrierten Leitstelle Traunstein umfasst die Landkreise Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf am Inn und Traunstein. Für unsere Bürgerinnen und Bürger wird ein neuer Qualitätsstandard im Rahmen der öffentlichen Daseinsvorsorge geschaffen.
Anstelle von unterschiedlichen Rufnummern für Feuerwehr (110, 112) und Rettungsdienst (19222) gibt es künftig flächendeckend in Bayern nur noch die einheitliche Notrufnummer 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst.
Langwieriges Vermitteln zwischen den Notdiensten kann daher künftig entfallen und deshalb wertvolle Zeit eingespart werden. Für die Einsatzkräfte bedeutet die neue Struktur eine ganz neue Qualität an bedarfsgerechter Alarmierung und in der Einsatzbegleitung. Die Leitstellendisponenten haben Meldebilder zu erstellen, zu bewerten und in Dispositionen umzusetzen. Zu einem gemeldeten Ereignis werden die unter einsatztaktischen Gesichtspunkten notwendigen Einheiten, Personen, Stellen und Einsatzmittel bestimmt und (soweit tatsächlich verfügbar) dem Einsatz zugeordnet.
Nach einer intensiven Abstimmung mit den Feuerwehren und Hilfsorganisationen veröffentlichte das bayerische Innenministerium Ende 2005 die neu gefasste Alarmierungsbekanntmachung (Abek). Statt der bisher sieben Alarmstufen für Brände, THL und Einsätze unter Beteiligung von Gefahrstoffen sieht die neue Abek eine große Anzahl an Einsatzstichwörtern vor. Damit wird die Voraussetzung für eine differenzierte Alarmierung geschaffen. Eine dem gemeldeten Schadensbild möglichst gut angepasste Alarmierung soll vor allem dazu beitragen, dass ehrenamtliche Feuerwehreinsatzkräfte nicht unnötig zu Einsätzen gerufen werden. Seit Januar 2008 werden im Bereich Traunstein regelmäßig gemeinsame Projektgruppensitzungen abgehalten, um für alle vier Landkreise eine einheitliche Alarmierungsplanung zu erhalten. Für das hohe Engagement und die Diskussionsbereitschaft der beteiligten Landratsämter und Kreisbrandinspektionen sowie aller weiteren mitwirkenden Hilfsorganisationen möchte ich mich im Zusammenhang recht herzlich bedanken.
Zusammenfassen wird mit der Inbetriebnahme der ILS Traunstein für den Bereich der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr ein regelrechter Quantensprung vollzogen, in technischer und organisatorischer Hinsicht werden neue Maßstäbe gesetzt. Ich freue mich persönlich über die Möglichkeit, an der Umsetzung dieses bedeutenden Projekts mitwirken zu dürfen und möchte mich für die großartige Unterstützung bei der ZRF Verbandsversammlung und insbesondere beim Verbandsvorsitzenden, Herrn Landrat Hermann Steinmaßl, bedanken. Als Projektleiter freut es mich besonders, dass unsere ILS Traunstein bereits nach sehr kurzer Planungs- und Bauzeit den Probebetrieb aufnehmen kann. Die Technik und die erfassten Daten müssen nun im Laufe des Probebetriebs auf Herz und Nieren geprüft werden. Mit der Einweihung und dem Start der Testphase geht das Projekt „Aufbau der ILS Traunstein“ in die nun letzte Phase.
Mein Dank gilt jedoch auch nicht zuletzt jedem einzelnen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, welche durch ihr hohes Engagement und Leistungsbereitschaft entscheidend zum Gelingen der ILS Traunstein beitragen. Stellvertretend möchte ich mich beim Leiter der Leitstelle, Herrn Groschack, für die großartige Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren bedanken.

Josef Gschwendner, Verwaltungsfach- und betriebswirt
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